(S)elektiver Mutismus

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Wenn die Angst am Sprechen hindert und wie man das Schweigen überwinden kann.
 

Warum spricht ein Mensch nicht mit anderen Leuten, wenn er doch eigentlich sprechen kann und dies mit bestimmten Personen (Familie, Freunde) auch tut?


(S)elektiver Mutismus bedeutet, dass eben genau das der Fall ist. Ein Kind hat ganz normal sprechen gelernt, zeigt diese Fähigkeit aber nur bei einem bestimmten Personenkreis. Selten tritt auch ein totaler Mutismus auf, das heißt, dass das Kind mit niemandem – auch nicht mit den Eltern – spricht. Meist fällt ein mutistisches Kind erstmals im Kindergarten auf, wenn es mit fremden Kindern und Erwachsenen in Kontakt kommt und dann nicht mehr spricht. Zuhause plappern diese Kinder oft wie ein Wasserfall, schließlich müssen sie ja nachholen, was sie den ganzen Tag verpasst haben. Auch Jugendliche und Erwachsene können mutistisch sein, oft haben die Betroffenen dann zusätzlich noch andere sozialen Ängste (Phobien) und auch Depressionen kommen häufig vor.
Die Ursachen für Mutismus sind nicht genau bekannt. Die Voraussetzungen für das Sprechen sind alle gegeben. Das heißt, es sind keine Hörschäden, Schäden an den Sprechorganen oder dem Sprachzentrum im Gehirn vorhanden. Andere Sprach- und Sprechstörungen können mit dem Mutismus verbunden sein.  Ein mehrsprachiges Aufwachsen scheint kein Faktor zur sein, denn Mutismus betrifft auch einsprachig aufwachsende Kinder. Genauere Zahlen gibt es aber hierzu (noch) nicht. Ganz wichtig ist es, den Mutismus vom Autismus zu unterscheiden. Die beiden Störungsbilder klingen zwar sehr ähnlich, haben aber sonst nichts gemeinsam. Mehr zum Thema Autismus können Sie hier nachlesen.
Die Ursachen sind vermutlich eher eine Kombination aus psychologische Faktoren (z.B. abweichende Problemlösungsmechanismen, äußere Einflüsse) und physiologische Faktoren (z.B. erblich bedingte Schüchternheit, psychiatrische Grunderkrankungen, Entwicklungsstörungen).
Wenn Sie bei Ihrem Kind den Verdacht auf (s)elektiven / totalen Mutismus haben, ist es sinnvoll so früh wie möglich mit einer Therapie zu beginnen. Bei uns in der Praxis bieten wir Ihnen die systemische Mutismus-Therapie (SYMUT) an, welche den Betroffenen helfen kann, das Schweigen zu überwinden. Die Therapie wird individuell an jeden Einzelnen/ Einzelne angepasst und bezieht das direkte Umfeld (Eltern, Erzieher, Lehrer) mit ein. Wichtig ist uns außerdem die Zusammenarbeit mit der Psychiatrie und Psychotherapie. So kann beispielsweise eine ergänzende Behandlung der Depression (meist im Jugend- und Erwachsenenalter) sinnvoll sein. Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben!